Allrounder

Sind das nicht Leute, die alles ein bisschen können und nichts so richtig? Ja, oft. Doch dann gibts auch die, bei denen alles, was sie anpacken, gut wird. Richtig gut! Matthias Wölfel ist so einer. Auch wenn er abwinkt, „Nee”. Lob ist nichts für den Schwarzwälder. „Ich mach einfach! Und wenn ich nicht weiß, wie’s geht, find ich‘s raus. Solange, bis es gut ist.” – Sag ich doch.

 

Am Anfang war das Holz

Ohne wäre Matthias Kindheit weniger spannend verlaufen. Baumhäuser, Seifenkisten, Ritterschwert, „Ideen hatte ich genug!”. Die Eltern lassen ihn werkeln, gehen zusammen in den Wald, zeigen die ersten Handgriffe. So wird man wohl Schreinermeister! „Ähm, nein: Ingenieur. Und Eventmanager.” Ok, der Reihe nach:

 

Sinn statt Sicherheit 

„Sachen aus Holz bauen, das war für mich selbstverständlich.” Wie so oft, mit den Dingen, die man kann. Also studiert der Tüftler lieber Ingenieurswesen, startet in die Festanstellung und – kündigt kurz darauf. Aha, jetzt aber FEINEICH! Matthias lacht: „Nein. Ich hab‘ den Job geschmissen für ein Praktikum im Eventbereich.” Denn der Mann macht nicht nur in Holz, sondern auch Musik. Spielte in Bands, organisierte Konzerte.

 

Vom Werkeln zur Werkstatt

Es ist 2011. Als Eventmanager folgt er dem Job nach Südbaden. Und zieht, ausgerechnet, auf das Grundstück eines Werkzeugmachers mit großer Schreinerwerkstatt. Der Mitte 60-jährige Handwerksprofi wird schnell zum Freund und Mentor. Und: bringt den jungen Schwarzwälder endlich – auf den Holzweg. Sechs Jahre später läuft FEINEICH offiziell vom Stapel.

 

Zurück zu den Wurzeln

Matthias hatte nie aufgehört, mit Holz zu arbeiten. Die gesamte WG möbliert. Für Freunde gezimmert. Mit seinen Events schafft er Erlebnisse. Schön, aber flüchtig. Seine Holzmöbel sind zeitlos und – überdauern. „Vermutlich fasziniert mich genau das. Weil ich selbst oft rastlos bin, ständig neue Ideen hab’.”

 

Weniger ist mehr (wert) 

FEINEICH Möbel erkennt man sofort. Eine Design-Identität harmonischer Gegensätze: Massivholz in filigraner Form. Das Sortiment hält Matthias bewusst klein, vier Tischvarianten, ein Hocker, eine Sitzbank, ein Sideboard. Fast scheint es, als wolle der Tausendsassa sich damit selbst einfangen. Doch darin liegt auch eine Botschaft. Vom Weniger als Mehrwert. Und die Frage: „Was brauche ich eigentlich um gut zu leben?”

Dazu passt die Beschränkung auf eine einzige Holzart, Eiche. Und: das schraubenlose Verbindungssystem, also alles – 100% Holz. So entstehen Möbel von hier, die kein Vermögen kosten, aber einen Wert haben. Den schöpferischen, den des Handwerks und vor allem – des Materials. „Holz ist ein nachwachsender Rohstoff, aber wir nehmen ihn der Natur ja trotzdem. Also hab‘ ich die Verantwortung, damit so sorgsam wie möglich umzugehen. Etwas zu erschaffen, das dich ein Leben lang begleitet.”

FEINEICH ist: Matthias Wölfel.
Der „macht“ lieber, als stillzusitzen und zu schreiben. Schon gar nicht – über sich selbst.

 

Text:   Lisa Soravia
Bild:    Felix Groteloh